

Der Instinktkreis des Hundes
Der Hund stammt vom Wolf ab und ist aus biologischer Sicht nach wie vor ein sozial lebender Beutegreifer. Auch wenn der Hund durch die Domestikation über viele Jahrtausende an den Menschen angepasst wurde, sind grundlegende Verhaltensmuster des Wolfes weiterhin in seinem Verhalten angelegt. Diese werden häufig im sogenannten Instinktkreis des Hundes von Jan Nijboer beschrieben.
Der Instinktkreis umfasst vier zentrale Instinktbereiche:

(nach Jan Nijboer)
Der Sozialinstinkt beschreibt das angeborene Bedürfnis des Hundes, in einer sozialen Gruppe zu leben, Bindungen einzugehen und sich innerhalb dieser Gruppe zu orientieren. Beim Wolf sorgt der Sozialinstinkt dafür, dass das Rudel zusammenarbeitet, gemeinsam jagt, Junge aufzieht und sich gegenseitig schützt, um die Überlebenschancen zu erhöhen. Beim Haushund kann diese soziale Struktur durch den Menschen ersetzt werden. Typische Ausdrucksformen des Sozialinstinkts sind Bindungsverhalten, Nähe suchen, gemeinsames Ruhen, Orientierung am Menschen und das Bedürfnis nach sozialer Rückmeldung.
Der Sexualinstinkt dient der Fortpflanzung und dem Erhalt der Art. Er beeinflusst Verhalten wie Paarungsbereitschaft, Konkurrenz um Partner und hormonell gesteuerte Aktivitätsphasen. Auch bei Haushunden ist dieser Instinkt vorhanden, wird aber durch Haltung, Kastration oder Kontrolle durch den Menschen beeinflusst.
Der Territorialinstinkt beschreibt das Bedürfnis, ein bestimmtes Gebiet zu sichern. Dieses Verhalten hat seine Wurzeln im Leben des Wolfes, bei dem das Revier eine zentrale Rolle für das Überleben spielt. Das Territorium sichert Zugang zu Nahrung, Ruheplätzen und Aufzuchtorten für die Jungen. Eindringlinge werden entweder vertrieben oder durch Drohverhalten auf Distanz gehalten. Beim Haushund ist dieser Instinkt ebenso vorhanden, auch wenn er je nach Rasse, Individuum und Erziehung unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Typische Anzeichen sind u.a. das Bellen bei Annäherung fremder Personen, das Kontrollieren von Grundstücksgrenzen und das Markierverhalten. Territorialität dient der Sicherheit, bedeutet jedoch nicht gleich Aggression.
Der Jagdinstinkt ist der ursprünglich wichtigste Überlebensinstinkt des Beutegreifers. Auch wenn viele Hunde heute nicht mehr selbst jagen müssen, ist dieser Instinkt nach wie vor in den Genen veranlagt. Er besteht aus einer festen Abfolge von Verhaltensschritten, die man oft als Beutefangsequenz beschreibt: Wahrnehmen → Fixieren → Anschleichen → Hetzen → Packen → ggf. Töten und Zerlegen. Beim Haushund sind diese einzelnen Elemente je nach Rasse unterschiedlich stark ausgeprägt bzw. durch Zucht verändert worden. Dennoch jagen alle Hunde, nur jeder auf seine eigene Art und Weise. Im Alltag zeigt sich der Jagdinstinkt häufig auch abseits der echten Jagd auf Wild in abgewandelter Form: zum Beispiel beim Hinterherlaufen von Bewegungsreizen, beim plötzlichen Fixieren von Objekten oder beim ausgelassenen Hetzspiel. Wichtig ist: Der Jagdinstinkt ist kein „Fehlverhalten“, sondern ein normales, biologisches Grundbedürfnis des Hundes.